St. Petronilla Wettringen
 

Zur Geschichte des Marienheims 

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Ursprünglich war das Marienheim das Wettringer Krankenhaus, erbaut im Jahre 1906 unter dem damaligen Pfarrer Mathias Steigleiter.

 

Zur Person des Erbauers:

Mathias Steigleiter wurde am 21. Oktober 1886 vor rd. 117 Jahren zum Pfarrer von Wettringen ernannt. Bereits zwei Jahre zuvor (1886) kam er in Vertretung des erblindeten 85-jährigen Pfarrers und Erbauers der heutigen Pfarrkirche Wilhelm Schepers auf Empfehlung des Fürsten von Bentheim-Steinfurt nach Wettringen. Mathias Steigleiter wurde als Sohn einer Rheinenser Kaufmannsfamilie am 20.09.1842 geboren und am 21.12.1867 zum Priester geweiht. Er war 17 Jahre als Kaplan und Religionslehrer am Gymnasium in Burgsteinfurt tätig, bevor er 1884 zum Pfarrverwalter in Wettringen ernannt wurde. Er starb am 10.04.1922, fast 80 Jahre alt, in dem von ihm gegründeten Wettringer Krankenhaus. Steigleiter trug viel Material über die Geschichte von Wettringen und Burgsteinfurt zusammen.

  Von Mathias Krümpel

Aus der Laudatio zum 25-jährigen Priesterjubiläum von Mathias Steigleiter sind uns einige Informationen über diesen Pfarrer von St. Petronilla bekannt. Es lohnt sich, diese für Wettringen wichtige Persönlichkeit in Erinnerung zu rufen. Bei seinem Amtsantritt im Jahre 1886 waren die kirchlichen Verhältnisse nicht gerade glänzend. Die Kirche mit ihrer Umgebung war noch in demselben Zustand, wie sie um 1863 gebaut worden war. Ihren Erbauer Pfarrer Schepers haben nach dem Gewaltakt der Fertigstellung und dem Tribut an seine Gesundheit und sein Alter wohl die Kräfte verlassen. St. Petronilla war nach Zeitungsberichten auch 23 Jahre nach Fertigstellung noch nicht geweißt und die Umgebung der Kirche bot nach Zeitzeugenberichten ein Bild der Verwahrlosung. Zu den ersten Aufgaben des neuen Pfarrers gehörte es daher, das Innere der Kirche würdig auszugestalten. Innerhalb weniger Jahre wurde die Kirche schön bemalt, bunte Fenster wurden eingesetzt und neue Kreuzweg-Stationen beschafft. Auch die Anschaffung einer in romanischem Stile gehaltenen Monstranz gehörte dazu. Da keine Mittel zur Verfügung standen, musste der neue Pfarrer häufig mit dem Bettelstab durch die Gemeinde ziehen, um Gelder für die neue Pfarrkirche zu sammeln. Neben der Kirche gehörte sein Hauptaugenmerk den vielen religiösen Verbänden und Vereinen. So gab es u. a. damals einen katholischen Volksverein mit rd. 150 Mitgliedern. Die kirchlichen Vereine blühten auf und fanden in Pfarrer Steigleiter einen großen Förderer. Aber auch auf anderem Wege war er sehr in das Gemeindewesen eingebunden. So gehörte er zu den Initiatoren der Gründung eines Spar- und Darlehenskassenvereins (der heutigen Volksbank) in Wettringen. Er wollte den Wettringern den Zugang zu Geld und bescheidenem Wohlstand ermöglichen. Sein Hauptaugenmerk war jedoch auf die Erbauung eines Krankenhauses in Wettringen gerichtet. Als im Jahr 1893 die Weberei Kümpers ihren Betrieb eröffnete, sah Pfarrer Steigleiter voraus, dass die Erbauung eines Krankenhauses eine soziale Tat für die Gemeinde sein würde. Er teilte den Plan dem Geheimrat August Kümpers mit,  welcher sofort 10.000 Reichsmark zur Verfügung stellte. Viele Bauern aus Wettringen haben den besten Baum ihres Hofes für die Errichtung hergeben. Andere haben Bausteine gestiftet. Jede Gelegenheit nutzte Pfarrer Mathias Steigleiter dazu, die Leute für das Krankenhaus zu interessieren. Auf seinen ”Bettelgängen” schonte er niemanden, weder Reich noch Arm,  weder Einheimische noch Auswärtige, weder Katholiken noch Evangelische, weder Behörden noch Private. Innerhalb und außerhalb der Kirche war er ständig für sein Krankenhaus tätig. Die Grundsteinlegung des Krankenhauses  sollte 1906 erfolgen. In den kirchlichen Nachrichten heißt es, dass unter den 50 verstorbenen Personen des Jahres 1908 noch 18 Kinder waren. Der Gesundheitszustand ließ viel zu wünschen übrig, viele Kinder waren an „Stickhusten“ erkrankt, ihnen konnte nicht in ausreichendem Maße geholfen werden.

1910 hat Pfarrer Steigleiter z.B. durch den Kreisausschuss 700 Reichsmark für einen Desinfektions-Apparat bewilligt bekommen. Dieses Geld wurde auch von der Kreissparkasse nach Wettringen abgeschickt, das Geld soll aber nie in Wettringen angekommen sein. Ob diese Spende durch die Post verloren gegangen ist oder gar gestohlen wurde, ist heute leider nicht mehr zu klären.

Für die damalige Zeit klingt es fast unglaublich, was Pfarrer Steigleiter für das Krankenhaus gesammelt hat. Seit 1900 hatte er außer den 10.000 Reichsmark von Geheimrat Kümpers mindestens 50.000 weitere Reichsmark gesammelt - fast alles in kleinen Münzen. Das Krankenhaus konnte für rd. 70.000 Reichsmark nahezu schuldenfrei errichtet werden. In den Augen der Behörden war es ein Musterkrankenhaus (30 Betten), in dem bis 1907 bereits 400 Kranke Hilfe und Trost gefunden hatten. Bei all seinen Erfolgen blieb der Pfarrer  jedoch sehr bescheiden.  Seinen Jubiläumstag verbrachte er außerhalb der Gemeinde im Wallfahrtsort Telgte. Von der Pfarrgemeinde erhielt er zum Jubiläum einen kostbaren Chormantel. 1922 verstarb er in “seinem” Marien-Krankenhaus im Alter von fast 80 Jahren. Pfarrer Steigleiter und sein Vorgänger Pfarrer Schepers liegen auf dem alten Friedhof im Schatten „ihrer“ Pfarrkirche St. Petronilla begraben.

 

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