MV 18.06.2011

Zu Gast bei Freunden in Ghana

„Wir waren Gäste, keine Touristen!“ Britta Diesen (38) strahlt, wenn sie von der netten Aufnahme im knapp 7000 Kilometer entfernten Land erzählt. Gemeinsam mit Michael Lohaus (19) und Juri Maibaum (18) besuchte die engagierte Wettringerin St. Petronillas Partnergemeinde St. Kizito in Ghana. Mit im Gepäck hatten die drei Spendengeld und viele Spielsachen für die Kinder. „Wir hatten zehn Tage lang ein lehrreiches Abenteuer mit Slums, gut gelaunten Menschen - und schrecklichem Essen.“

„Wir haben die Zeit in St. Kizito sehr genossen“, fasst Michael Lohaus die zehn Tage zusammen. Gemeinsam erlebte das Trio aus dem „Hiärtken“, das anlässlich zum 40-jährigen Bestehen der ghanaischen Gemeinde nach Afrika reiste, eine lehrreiche und zugleich spannende Reise in Wettringens Partnergemeinde. Der MV berichteten sie davon.

 

 

 

Von Armut und erschreckenden Bildern von leidenden Menschen und Kindern, bis hin zu Lebensfreude und Zusammengehörigkeit erlebten die Drei ein Wechselbad der Gefühle auf afrikanischem Terrain. Geregelte Tagesabläufe oder feste Arbeitsstellen wie in Deutschland kennen die Menschen aus dem 100000 Einwohner fassenden Gebiet Pandai, deren Mittelpunkt eben die Kirche St. Kizito ist, größtenteils nicht. Ihr Leben besteht im Grunde darin, zu überleben.

„Die Menschen dort müssen sich mit dem Nötigsten zufrieden geben“, sagt Diesen. Sie bauen sich ihr Essen komplett selber an, fließend Wasser oder ein festes Stromnetzwerk gibt es kaum. „Doch trotzdem besitzen die meisten Menschen eine unglaubliche Lebensfreude. Sie haben gar nichts, aber gute Laune“, wundert sich Britta Diesen.

Logisch, dass auch die „weißen“ Gäste aus Deutschland herzlich begrüßt wurden. Bei großem Lagerfeuer wurde ein ghanaischer Willkommenstanz aufgeführt. „Sie haben uns sogar eine Ziege geschenkt“, sagt Maibaum grinsend. „Doch die haben wir natürlich dagelassen. Sie können die besser gebrauchen als wir.“

Die meisten Menschen leben dort in einer kleinen Hütte. „Es gibt keine Geschäfte, höchstens viele Händler, die Tische am Straßenrand aufschlagen und Kleinigkeiten verkaufen“, erzählt Maibaum.

Straßenrand? Nein, Straßen und eine gut geplante Infrastruktur sucht man in St. Kizito ebenfalls vergebens. „Sie haben eine einzige Hauptstraße in der Stadt, die restlichen Wege sind rote Sandpfade. Da wurde es bei den Autofahrten schon mal etwas holprig“, sagte Lohaus. Denn oft war das Petronilla-Trio gemeinsam mit den beiden unterstützenden Priestern Father David und Father Sebastian unterwegs. „Sie haben uns viele interessante Orte in der Stadt Pandai gezeigt“, erzählt Juri Maibaum, der wie sein Kumpel Michael Lohaus im Pfarrgemeinderat ist.

So waren die deutschen Gäste zu Besuch in der großen Schule mit anliegendem Kindergarten, die beide etwa für 400 Kinder Platz bieten. Sie wurden von der Wettringer Gemeinde mitfinanziert. „Das Gebäude sieht echt klasse aus. Hier sind wirklich tolle Möglichkeiten für eine gute Erziehung der Kinder geschaffen worden“, erzählt die vierfache Mutter Britta Diesen. Einzig an den autoritären Erziehungsmaßnahmen der Lehrer und Erzieher müsse man noch arbeiten. Auch ein „St. Petronillahaus“ gibt es im entfernten Ghana. Es dient als Gasthaus für Schüler, die von weiter her kommen und eine Schlaf- und Duschmöglichkeit gebrauchen.

Auf die Frage, ob das Trio sich eine erneute Reise nach St. Kizito vorstellen könnte, war das für alle leicht zu beantworten. „Natürlich, es war sehr spannend und man hat eine Menge mitgenommen. Ich habe die Chance bekommen und musste sie einfach nutzen. Zum Glück“, sagt Diesen. Auch Michael Lohaus konnte Erfahrungen sammeln. „Vielleicht fahren wir Wettringer ja zum 50. Gemeindenjubiläum hin. Ich wäre dabei“. Doch erst mal sind die neuen Freunde aus Ghana an der Reihe. Denn für 2013 ist ein Aufenthalt für sie im „Hiärtken“ geplant.

VON DANIEL FELDKAMP

Fotos: Privat

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